Als Rüdiger von den Sportfreunden Stiller und ich das erste Mal in der Ukraine waren, hat uns der Priester Bogdan – Schlawiner vor dem Herrn und Halter einer der größten Herzen, die sich dies- und jenseits der Karpaten finden lassen – einen Satz mit nach Hause gegeben: „Fast alles ist möglich, wenn man es nur wagt.“ Zwei Reisen später sind wir diesmal mit sechs Krankenwagen, einem Krankenhausbus, einem Evakuierungsfahrzeug und einer unfassbar großartigen Truppe wieder in die Ukraine gekommen. Am Anfang war es eine Idee, dann wurde es ein Plan, dann haben wir es gewagt und der Kultur.Konvoi wurde Wirklichkeit. 

Nun wollen wir wieder kommen, den nächsten Konvoi auf die Beine stellen. Warum? 

Deshalb:

Mykyta heißt einer der Menschen, denen wir in der Ukraine  begegnet sind. Ein feiner Mann Ende 30, der mit ruhiger, klarer Stimme spricht. Wir haben zusammen Musik gehört, Bier getrunken und geredet. Mykyta erzählte von seiner Sehnsucht nach Konzerten. Er sprach von seiner Frau und seinen Kindern, zwei und sechs Jahre alt, mit denen er die wenigen Tage verbringt, bevor er zurück muss an die Front. 

Mykyta ist einer der vielen Ukrainer, die sich aus vollstem Herzen für die Rettungswagen aus dem „Hand-in-Hand Kultur.Konvoi für die Ukraine“ bedankt haben. Dabei sind wir es, die sich bei Mykyta und den anderen bedanken wollen. Dafür, dass sie diesen Krieg um die Freiheit und die Demokratie erdulden und unendlichen Schmerz auf sich nehmen.  

Das ist unsere Überzeugung: Wir gehören zusammen, die Ukraine und Europa. Die Ukrainer sind die Vorhut der Freiheit und der Demokratie. Sie verteidigen mit ihrem Blut, was für uns bisher selbstverständlich war, nun aber angegriffen wird. Wir dürfen die Ukraine nicht im Stich lassen. Wir Kulturschaffende sehen uns dabei in einer besonderen Verantwortung: Die Freiheit und die Demokratie sind die Luft, ohne die die Kunst erstickt. In Russland werden Künstler verhaftet, gedemütigt oder zu ästhetischen Handwerkern degradiert, die der Propaganda des Regimes zuarbeiten.  

Die Kunst und die Kultur müssen die Freiheit und die Demokratie verteidigen. Deswegen organisieren wir den nächsten Kultur.Konvoi, arbeiten abermals daran, Rettungswagen zu finanzieren und zu den Menschen in der Ukraine bringen. Immer wieder. So lange wie es nötig ist. 

Angefangen hat alles im November 2022 mit einem Rettungswagen, den die Sportfreunde Stiller finanziert haben. Ein Jahr darauf folgte ein weiterer Rettungswagen, und ein Plan stand fest: Beim nächsten Mal kommen wir mit einem Konvoi! Es hat geklappt, Dank der Hilfe großartiger Künstler, Musiker, Schriftsteller, Schauspieler und anderer Kulturschaffender. Sie haben Geld gespendet, sie sind mitgefahren oder haben ihre Reichweite zur Verfügung gestellt, um anderen von der Aktion zu erzählen. Sie alle, wir alle sind der: Kultur.Konvoi. 

Eure Hilfe macht einen Unterschied, sie kommt an. Als Rüdiger und Sebastian mit dem ersten Rettungswagen losgefahren sind, haben wir den ukrainischen Autoren Wolodymyr kennengelernt, der für Bamberg:UA arbeitet und uns einen Satz mit auf die Reise gegeben hat: „Wisst ihr“, hat Wolodymyr gesagt, „wenn mit diesem Wagen nur ein einziger Mensch gerettet wird, dann hat sich euer ganzes Leben gelohnt.“ Der erste Rettungswagen war fast 400 Tage nahe Bachmut im Einsatz, bevor die Russen ihn zerstört haben. 400 Tage, an denen je drei bis fünf verletzte Menschen mit diesem Krankenwagen geholfen wurde.